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"There are countless ingredients that make up the human body and mind, like all the components that make up me as an individual with my own personality. Sure, I have a face and voice to distinguish myself from others, but my thoughts and memories are unique only to me, and I carry a sense of my own destiny. Each of those things are just a small part of it. I collect information to use in my own way. All of that blends to create a mixture that forms me and gives rise to my conscience." - Major Motoko Kusanagi // Ghost in the Shell

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Sex

Sex und Videospiele. Das ist ein sehr spannendes Thema. Und besonders vielschichtig. Leider fehlte mir diese Woche die Geduld einen total tiefgründigen Text zu formulieren, der die Grenzen eines gewöhnlichen Blogartikels sprengt und für eine Revolution in der digitalen Netzkultur sorgt, bei der sogar Sascha Lobo und Günther Jauch es sich nicht mehr verkneifen können, nach einem Autogramm von mir zu fragen.

Denn ich hab morgen ein Vorstellungsgespräch. Auf Englisch. Deswegen mach ich mir aktuell ein bisschen ins Höschen. Aber alles wird gut. Bestimmt.

Ich habe mich daher entschlossen einfach meine erste Begegnung mit digitalen Brüsten wiederzugeben. Das ist einfach. Daran kann ich mich erinnern. Da muss ich einfach nur eine Geschichte erzählen.

Es ist 1998. Arnes Berührungspunkte mit digitaler Unterhaltung, besonders Videospielen war eher gering, beinahe fast gar nicht vorhanden. Der 10-jährige kam nur bei Freunden in den Genuss von flimmernden Sprites. Und in dunklen, stickigen Spielhallen im Norden Italiens.

Seine Eltern fuhren mit einer beruhigenden Regelmäßigkeit bis zu drei mal im Jahr an den Gardasee in ein Ferienhaus, ganz in der Nähe von Riva del Garda, Italien. Die Unterkunft befand sich irgendwo in den Bergen, zum nächsten Ort waren es einige Kilometer entlang schlecht ausgebauter Pässe, die mit Hilfe zahlreicher Tunnel durch diverse Bergformationen führten. Besonders vor Wintereinbruch war man gut beraten, sich in der nächsten Stadt mit reichlich Nahrungsmittel einzudecken, um die Wartezeit auf den örtlichen Räumungsdienst zu überbrücken.

Doch auch im Sommer verbrachten seine Eltern eine nicht zu verachtende Zeit in italienischen Supermärkten. Es war aber auch einfach alles so günstig. Natürlich langweilte sich Arne in den großen Einkaufszentren. Lebensmittel, wer braucht das schon. Doch schon bei seinem ersten Besuch in Riva del Garda, dem auf Grund seiner geringen Entfernung bevorzugten Einkaufsort seiner Erzeuger, entdeckte Arne ein kleines Ladenlokal, direkt neben dem Stadttor. In seinem Inneren war es dunkel, das Ende des Raumes war nicht klar erkennbar und überall standen mannshohe Kisten, die leuchteten und die seltsamsten Geräusche von sich gaben.

Doch Arne war schüchtern, mehr als ein bis zwei Blicke riskierte er nicht. Und er wäre wahrscheinlich weiterhin gelangweilt und nörgelnd seinen Eltern hinterher getrottet, hätte sich sein Vater nicht zu ihm umgedreht, ihm 2.000 Lire in die Hand gedrückt und mit einer unmissverständlichen Geste gen Spielhalle gedeutet. Anscheinend hatte man die Nase voll und wollte den Rest des Einkaufs in Ruhe erledigen.

Etwas hilflos betrat der Junge den schlauchartigen Raum, links und rechts umzingelt von einer Reihe aus Automaten, die sich schier ins endlose zog. Die Halle bestand aus zwei fensterlosen Räumen und einem kleinem Kabuff, in dem ein dicker, grimmig guckender Mann hinter panzerfestem Glas saß. Die erste Hürde. Denn nur er konnte die 2.000 Lire in Spielmarken tauschen, die einen der zahlreichen Automaten anschließend zum Leben erwecken. Zum Glück verstand man sich hier auch ohne Worte. Geldschein hinlegen, Jetons kassieren. Der Spielhallen-Besitzer musterte Arne zwar kurz kritisch, kam dann aber wohl zu dem Ergebnis, dass der hochgewachsene Junge, der vor ihm Stand und schüchtern auf den Boden blickte, wohl das zulässige Mindestalter erreicht hatte und richtete seinen Blick anschließend wieder auf den kleinen Fernseher neben der Jeton-Kasse, aus dem irgendwelche italienischen Seifenopern plärrten. Es ist manchmal von Vorteil, überdurchschnittlich groß zu sein.

Der Weg war nun frei und Arne wanderte ein Arcade-Cabinet nach dem anderen ab, jedes einzelne so verlockende wie ein großes, frisches Stück Käsekuchen. Arne liebte Käsekuchen. Aber nur ohne Rosinen.

Abgesehen von den normalen Stand-Cabinets gab es welche zum Reinsetzen, mit Lenkrad, Gangschaltung und Gaspedal, andere imitierten Motorräder oder hatten griffbereite Plastikwaffen in Holstern verstaut. Wenige Zentimeter von einer Reihe von Pinball-Automaten entfernt stand ein Basketballkorb und ein kleiner Boxsack, der durch das riesige Outrun-Cabinet schon fast verloren wirkte. SEGA, Nintendo, Atari, Konami, Activision und viele andere blinkenden Schriftzüge buhlten um die Aufmerksamkeit der Besucher.

Seine ersten Lire sollte Arne jedoch in das Cabinet einer Firma werfen, die ihn für immer prägen wird. Auf Grund der hochwertigen Software, der virtuosen Animationen, dem für ihn völlig neuartigen japanischen Flair und der Liebe zum Detail. Wobei - eigentlich überzeugten ihn eine simple Abfolge von Sprites, ein beweglicher Haufen aus hautfarbenen Pixeln.

Mai Shiranui, du kleines Miststück. Wegen deinen hüpfenden Brüsten waren meine vier Spielmarken innerhalb von 10 Minuten aufgebraucht und ich durfte die restliche Zeit, bis meine Eltern von ihrem Einkauf zurückkamen, mit warten verbringen. Ich hatte keine Ahnung von Beat’em Ups. Und von King of Fighters ‘96 schon gar nicht. Natürlich ging ich in der ersten Runde sofort K.O. 

So hatte sich das mein Vater bestimmt nicht vorgestellt. Er erwartete wahrscheinlich einen ausgeglichen, liebenswürdigen Jungen, der durch ein paar Minuten in einer Spielhalle zu seiner inneren Mitte gefunden hat. Tatsächlich war ich mehr aufgekratzt als jemals zuvor, als mich meine Eltern nach etwas über einer Stunde wieder abholten. Den kompletten Heimweg sprach ich kein Wort.

Diese Welt, die sich mir an diesem Tag erschloss, lies mich nicht mehr los. Mais praller Busen war mehr wert als jedes SNES-Spiel, bei dem ich bei meinen Freunden zugucken durfte. Und selbst Sonic auf meinem Game Gear hatte irgendwie seinen Charme verloren.

Glücklicherweise mussten meine Eltern im Verlauf der kommenden Jahre noch öfters in Riva del Garda einkaufen. Irgendwie schaffte ich es meinen Vater von Dringlichkeit, den ein Besuch in der Spielhalle für mich hatte, zu überzeugen. Von wegen innere Mitte und so. Damit sicherte ich mir in regelmäßigen Abständen ein Date mit der brünetten Schönheit, die mir das Geld aus den Taschen zog.

In dieser italienischen Spielhalle lernte ich beinahe die komplette SNK-Bandbreite kennen. Ich hege bis heute zahlreiche Erinnerungen an die Software-Produkte, die mich meine gesamte Jugend begleiteten. Besonders der Umstand, dass ich erst viele Jahre später Möglichkeiten wie Emulatoren kennenlernte und dadurch immer nur mit sehr geringen Frequenzen SNK-Titel konsumieren konnte (bevorzugt im Urlaub), prägte diese besondere Beziehung. Ich habe gerade mal in Google-Streetview nach besagter Spielhalle gesucht. Leider befindet sich mittlerweile in den von mir angesprochenen Räumlichkeiten ein Händler für antiquierte Bücher.

Sad smilie.


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[Dieser Text entstand im Rahmen des “52-Games” Blogprojekts, wo all die coolen Menschen mitmachen, die denken Sie hätten Ahnung von Videospielen. So wie ich.]